Barbados Hurrikan 2021

Dass wir den Barbados Hurrikan Elsa 2021 erleben durften, das ist reiner Zufall bzw. Glückssache, wobei von Glück natürlich keine Rede sein kann. Tatsächlich ist dieses Naturereignis nur eins von dreien, die wir im letzten Jahr hier erleben durften.

Wenn ich eine Reise plane, dann schaue ich vorher gewisse Eckdaten grundsätzlich an. Dazu gehören auch das Wetter und Naturereignisse, wie Hurrikans, Erdbeben und Tsunamis. Ein kurzer Blick ins Internet und ich sehe, dass vor über 65 Jahren der letzte Hurrikan Barbados heimgesucht hat. Auch gibt es hier nur sehr schwache Erdbeben und daher auch keine Tsunamis. Vulkane, die gibt es hier auf der Insel eh nicht. Barbados ist nicht vulkanisch. Die Jahrestemperatur ist mit 27-33 Grad über das ganze Jahr super angenehm. Tiptop, das passt für uns und unsere Pro und Kontra-Liste sieht auf der Kontra-Seite eher schwach aus. (Ein paar Punkte stehen dennoch drauf, wie Familie und Freunde, die wir aus Kostengründen zuhause lassen müssen =(

Vulkanausbruch La Soufrière – 09.04.2021

barbados hurrikan
Die Stimmung war heftig. Kein Vogel hat gezwitschert, 2 volle Tage lang

Gerade ist der Osterhase wieder davon gehoppelt und wir schlendern an einem Freitagnachmittag kurz nach Feierabend Richtung Strand. Nach zwei Minuten Schlendern erreichen wir diesen bereits, die Wege hier auf Barbados sind meist kurz. Unser Ziel allerdings ist der Supermarkt, den wir bequem über einen kurzen Strandabschnitt erreichen. Die alternative wäre der Highway, was den Spassfaktor natürlich drastisch reduziert.

Es ist 5:30 und die Sonne geht langsam unter. Wir sehen sie aber irgendwie nicht. Seltsam. Vom Westen her, also genau auf uns zu kommen dunkle Wolken. Ein Gewitter, ein Barbados Hurrikan? Nein, letztere gibt es ja hier nicht. Ein Gewitter würde nicht aus Westen kommen, da der Wind hier IMMER aus dem Osten weht.

Tipp 1

Wenn du spürst, dass der Wind von hinten kommt und die Wolke dennoch von vorne auf dich zukommt, dann ist etwas faul.

Wir filmen alles brav und machen unsere Witzchen, da rechts von uns die Welt unterzugehen scheint und links von uns strahlend blauer Himmel ist. Paradiesisch, so wie immer. Die Kids planschen noch ein bisschen im Wasser, dann geht es auch schon weiter. Ein Mensch, wir nennen ihn den Schildkrötenmann, da er so niedliche Schildkrötenketten verkauft, kommt uns entgegen und sagt: “Wow, did you see the ash cloud?”. Ähmm…nöö, oder vielleicht doch? Die da hinten? Eine Aschewolke?

Wir schauen seit Jahren keine Nachrichten und lesen keine Zeitung. Aber noch hat unsere Warn-App keinen Alarm geschlagen. Und die ist eigentlich zuverlässig. Also weiter gehts zum Supermarkt. Wir kaufen zwei Äpfel und einen Liter Milch und schlendern wieder nach Hause.

Tipp 2

Wenn dich jemand fragt, ob du die Aschewolke gesehen hast, dann kaufst du nicht nur einen Liter Milch!

Tipp 3

Es könnte hilfreich sein, zumindest zuhause kurz zu googlen, ob vielleicht irgendwo in der Umgebung ein Vulkan leicht nervös geworden ist.

Wir aber essen erstmal und bringen die Kids ins Bett, damit wir pünktlich unsere Arbeit anfangen können. An der Fensterscheibe tummeln sich ein paar Motten, die normalerweise nicht da sind. Ausserdem sieht die Scheibe nach 5 Minuten aus wie Sa…..und wir grummeln kurz deswegen ein “blöde Viecher” in den Raum.

Dann kommt mir die Aschewolke wieder in den Sinn. Ich geh kurz raus auf unseren Balkon und sehe eine ganz leichte “Saharasandschicht”. Na ja, lass uns mal die Badkleider reinholen. Schadet sicher nicht.

Wir gehen ins Bett, die Welt scheint versandet zu sein, so wie das halt manchmal so ist, wenn Luft aus Afrika kommt. Wir kennen es ja aus Deutschland und der Schweiz.

Unseren Kids haben wir von klein auf beigebracht, wir stehen auf wenn es hell wird und gehen ins Bett, wenn es dunkel wird. Klappt in CH super, hier in der Karibik heisst das, 6:00 aufstehen und gegen 18 Uhr ins Bett. So ist das am Äquator. Am nächsten Morgen allerdings stehen wir weder um 6 noch um 7 Uhr auf. Es wird 8 und wir schauen raus. Es ist immer noch dunkel irgendwie. Die Farben in der Umgebung sind auch irgendwie verschwunden. Barbados ist blass geworden über Nacht. Das Grün ist Grau und der Himmel erstrecht. Alles erinnert an eine totale Sonnenfinsternis. Zu dem Zeitpunkt können wir aber nicht ahnen, dass diese Sonnenfinsternis für ganze 2 Tage anhalten wird.

Samstags ist bereits alles mit ca. einem halben Zentimeter Asche überzogen. Unser Balkon hat dunkelgraue Fliesen statt hellgrau, der Pool hat schwarzes Wasser und der Himmel, der ist auch dunkelgrau. Von Sonne keine Spur. Erinnerst du dich an den Wind, der aus Osten kommt? Nicht in 10’000 m Höhe, dort weht er in Richtung Osten, also kommt quasi aus dem Westen. Hinter Barbados rieselt die Asche runter und der Ostwind bläst sie schön gleichmässig über die Insel.

Die Geschäfte sind nun zwei Tage geschlossen, wir gehen sparsam mit unseren 2 Äpfeln und dem Liter Milch um. Das Haus verlassen wir nun ganze 5 Tage nicht. Das ist ein echter Lockdown, freiwillig, da die Asche in Augen und Hals brennt, sie ist toxisch, da schwefelhaltig. Zum ersten Mal macht die Maske Sinn und Gott sei Dank haben alle Menschen hier mittlerweile zahlreiche Masken. Danke Corona! Das hast du gut gemacht.

Wir erfahren, dass der letzte Vulkanausbruch Ende der Siebziger Jahre war. Damals kamen viele Leute hier ums Leben. Dieses Mal gab es keine Toten, da jeder durch Masken geschützt war.

Zwei Monate lang waren hier heftige Spuren von der Asche zu sehen. Dank der nächsten zwei Ereignisse aber, ist die Insel wieder blitzeblank sauber.

Kurzes Fazit: Für uns war das ein abenteuerliches Erlebnis. Unsere Älteste kann sagen, dass die Schule wegen eines Vulkanausbruchs ausgefallen ist und wir haben viel gelernt über das Thema. Haben zuhause Experimente gemacht um einen Vulkan zu simulieren und hatten gemütliche 5 Tage verbracht. Dank netter Familien hier im gleichen Haus ist uns dabei auch nie langweilig geworden.

Freak Storm – 16.06.2021

Es war ein lauer Sommerabend, an einem Mittwoch, irgendwann Mitte Juni. Immer Anfang Juni startet die Barbados Hurrikan Saison, die es trotz mangelnder Hurrikans dennoch hier gibt. Sie geht von Juni bis September. Wie an den meisten Abenden arbeiten wir wenn die Kids im Bett sind. Es kühlt abends oft runter bis auf winterliche 27 Grad. Das ist dann super angenehm, weil wir natürlich mittlerweile an die Temperaturen gewöhnt sind.

Ich verlasse das Büro gegen 23:30 und mache mich auf den Weg ins Schlafzimmer, einen Raum weiter 😉 Alles ist ruhig, noch.

Gegen 2:30 etwa verwache ich (schweizer deutsch für “Wache ich auf”). Es scheint als habe jemand Licht angelassen, drinnen und draussen! Hä???

Der Geräuschpegel ist heftig und es ist taghell. Seltsames scheint draussen zu passieren. Es ist kein Hurrikan gemeldet und die melden sich paar Tage zuvor an, freundlicherweise. Aber was ist los?

Es blitzt und donnert wie aus Eimern (da gibt es doch so einen Spruch?). Ich zücke mein mobiles Telefon und filme Richtung draussen. Es fühlt sich so echt an, so mittendrin und nicht nur dabei. Mir läuft ein Schauer den Rücken runter und ich bekomme nasse Füsse, denke ich mir. Dann stelle ich fest, dass ich in einer riesengrossen Pfütze stehe. Das Wasser läuft mir zwar nicht den Rücken runter, aber es wird unter der Haustür durchgedrückt. Der Wind ist heftig und das Wasser peitscht gegen unsere Tür. Frau und Kind sind mittlerweile wach, haben Angst und stehend zitternd neben mir.

Ein ganz normales Sommergewitter

“Das ist völlig unbedenklich und passiert jetzt vermutlich alle zwei Nächte hier”, versuche ich sie zu beruhigen. Daran glaube ich schliesslich selbst. Es ist der erste wirkliche Sturm, den wir hier erleben, aber kein Barbados Hurrikan. Das sollte sich allerdings bald ändern. 🙂

Am Tag später erfahren wir, dass es 460 Blitze pro Minute waren, die auf uns herunter prasselten. Wir leben hier in einem ganz modernen Gebäude, wo wir immer sicher sind. Der Sturm war das Heftigste, was ich bis dato erlebt habe. Nach zwei Stunden war er vorbei und alle sind wieder ins Bett. Draussen lief ein Fluss an unserem Haus vorbei, sonst war wieder alles wie vorher.

Ich bin am nächsten Tag zum Friseur und der Sturm war natürlich Thema Nr. 1. Mein Friseur, Alter ca. 35, erzählte mir er habe so etwas noch nicht erlebt. In der offiziellen Meldung heisst es, es habe seit 35 Jahren so einen Sturm nicht mehr gegeben. Ein Freak Storm ist übrigens ein Sturm, der sich so schnell bildet, dass du ihn nicht vorhersagen kannst. Er taucht innert weniger Minuten aus dem Nichts auf.

Wir haben dann Gott sei Dank über den Sommer keinen solchen Sturm mehr gehabt =) Und nein, diese Stürme sind absolut nicht typisch für Barbados. Für die meisten anderen Karibikinseln allerdings schon.

Kurz freuen wir uns, dass die Insel jetzt frei von Asche ist. Die Restaurants sind dankbar, da die meisten von ihnen damit zu kämpfen hatten, dass immer alles schmutzig war, verascht quasi, so wie in einer Kneipe früher =)

Barbados Hurrikan Elsa – 02.07.2021

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Immerhin ist unser Pool jetzt voll – Danke Barbados Hurrikan

Nach der Asche und dem Freak Storm, was kann jetzt noch passieren? Es war ein lauer Sommerabend…okay, es sind hier immer laue Sommerabende =) Tatsächlich war es ein lauer Sommermorgen, denn obwohl ein tropischer Sturm in der Nacht von Donnerstag auf Freitag vorhergesagt wurde und es auch ein paar Minuten gewitterte, tat sich wenig. Der Sturm blieb aus.

Unsere Warn-App berichtete uns aber morgens, dass der Sturm nur noch zwei Stunden von Barbados entfernt sei. In lokaler Muttersprache denke ich mir “Half so wild”. Wir schauen kurz raus, sehen Sandsäcke überall rumliegen. Ich rufe noch in die Küche “Leute, schaut mal, da hat jemand seine Sandsäcke draussen vergessen!”.

Erkenntnis: Sandsäcke haben ihre Daseinsberechtigung! Wir kennen sie schliesslich aus Hawaii und damals lag einer vor unserer Tür. Der hielt tatsächlich das Wasser ab.

Die Sandsäcke und unsere Erfahrung mit der Aschewolke sorgten dafür, dass wir schnell in den Supermarkt fahren und uns mit Lebensmitteln eindeckten. Mit einem vollen Einkaufswagen sprinten wir in Richtung Kasse. HALT! Hat es wirklich Sinn, soviel Fleisch und Gefrorenes zu kaufen?Vielleicht haben wir keinen Strom? So wie immer, wenn irgendwo ein kleiner Blitz einschlägt.

Korrekt, wir bringen alles zurück und kaufen Büchsen, Thunfisch in allen Varianten, mehr Obst und Gemüse, das wir roh essen können. Und Batterien! Viele Batterien! Es sind 16 von den ganz grossen dicken. Ich kann mir nie merken, wie die heissen. Aber unsere Lampe frisst 8 Stück und ist dann einen ganz Tag einsatzbereit. Du kannst damit sogar dein Handy laden, zwei Mal! Tiptop.

Zurück in der Wohnung dauert es keine 15 Minuten und der Tropical Storm hat sich in Barbados Hurrikan Elsa verwandelt und trifft uns auch ca. eine Stunde später. Nach 2 Minuten ist bereits der Strom weg. Wir sind happy mit unseren Büchsen, haben aber den Gefrierschrank eh voll mit Lebensmittel.

Barbados Hurrikan – Eher unspektakulär

Der Hurrikan selbst war eher unspektakulär, kein Gewitter, bisschen Regen und Wind, aber weniger stark als wir es von Europa her kennen. Die Kontinuität des Windes und der eher leichte, unvorbereitete Baustil besonders von der Infrastruktur sorgten für viele Schäden hier auf der Insel. Gott sei Dank keine Toten, aber wir vermissten ein paar Gebäude und Häuser, als wir zwei Tage später über die Insel fuhren. Sie waren einfach komplett weg. Der Grossteil unseres Lieblingsrestaurants im Norden der Insel war weg. Es steht auf einer Klippe, wunderschön, aber die Einrichtung und das halbe Dach sind einfach runter ins Meer geweht worden. Weg!

Wir haben am Tag drauf immer noch keinen Strom. Ich fahre zur Tankstelle und kaufe ein paar Säcke mit Eis, für den Gefrierer. Das hält einen weiteren Tag, doch am Sonntagmorgen haben wir eine riesige Pfütze in unsere Küche. Das Eis ist geschmolzen, sowohl das in den Säcken, als auch das von unseren Eismaker im Kühlschrank.

Die zweite Nacht war unerträglich. Das Bett war flutschnass, weil wir alle 4 im gleichen Bett schlafen und es gefühlte 35 Grad in der Wohnung sind. Ohne Strom keine Klimaanlage, verdammte Physik 🙂

Wir gehen mitten in der Nacht für ein paar Minuten raus, um uns abzukühlen, werden aber von den Mosquitos aufgefuttert. Ein Öffnen der Fenster hat leider genau das gleiche zur Folge, daher lieber immer alles zulassen hier. Über die Klimaanlage kommt ja immer frische Luft in die Wohnung. Wir haben drei super Klimaanlagen hier, die uns jetzt überhaupt nichts bringen.

Umzug ins Hotel

Nach der zweiten Sauna-Nacht und auch wegen der Tatsache, dass Sonntagnachmittag immer noch kein Strom da ist und wir bald arbeiten wollen, buchen wir ein Hotel im Süden. Dort hat man einen Stromgenerator und wir packen unsere Sachen und ziehen dorthin um. Für einen Tag oder zwei oder drei. Wir wissen es noch nicht und machen es vom Strom abhängig.

Auf dem Weg dorthin sehen wir, warum der Strom weg ist. So gut wie alle Stromleitungen bei uns im Ort sind von Bäumen umgerissen worden. Insgesamt auf der ganzen Insel sind es 200 Strommasten. Die Primeministerin lässt Arbeiter von den Nachbarinseln einfliegen, von denen, die nicht vom Hurrikan betroffen waren. Wir hatten bei uns 4 Tage keinen Strom, in manchen Gegenden auf der Insel waren es bis zu 14 Tage. Nach 2 Tagen haben wir bereits alle Lebensmittel aus Gefrier- und Kühlschrank wegwerfen müssen. Ohne Strom lässt sich ja auch nichts zubereiten.

Wir geniessen das Privileg, einfach in ein Hotel gehen zu können und bleiben dort zwei Nächte, bis dann dienstags der Strom wieder da war. Die Wartezeit am Hotelpool und in den feinen Restaurants drumherum gestaltet sich angenehm und die Kids haben Spass, während wir arbeiten können. Unsere Kunden bekommen von alldem nichts mit. Unser Notfallplan funktioniert 🙂

Fazit

Bis April 2021 sah es für Barbados so aus:

Neu geht das nun alles auf das Jahr 2021 zurück. Wir, die gerade jetzt (Oktober 2021) ein Jahr auf der Insel sind, haben somit alles schön konzentriert in kurzer Zeit mitgenommen. Wir waren nur am Rande von allem betroffen. Die Einheimischen, die teilweise in alten Fischerhütten wohnen waren da schon ärmer dran.

Aber eins muss ich der Regierung hier allerdings hoch anrechnen. Jene Einheimischen, die keine Versicherung hatten, haben soviel Geld von der Regierung bekommen, dass sie ihr Häuschen wieder aufbauen konnten. Die Primeministerin, die seit 2015 im Amt ist arbeitet seitdem stets für das Volk und unterstützt wo es nur geht, mit Wasser-, Lebensmittel- und Kleiderspenden. Nicht nur nach dem Barbados Hurrikan, sondern z.B. haben auch während der Homeschooling-Zeit im Februar 2021 die Menschen gratis Internet und einen Laptop geschenkt bekommen, die sich das nicht leisten konnten.

Alle Urlauber, die hier mal ein paar Wochen entspannen wollen müssen sich aber keine Sorgen machen. Jetzt ist sicher erstmal wieder ein paar Jahre Ruhe im Paradies. Es dürfte erst im Jahre 2055 wieder mit einem Freak Storm losgehen =)

Hier ein paar Eindrücke von der Aschewolke und dem Barbados Hurrikan. Leider weniger als geplant. Ich bin beim Schnorcheln zu tief getaucht, was meinem Handy überhaupt nicht gefallen hat. Sh*t happens.

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