Die neue Sehenswürdigkeit auf Gozo | Das umstrittene 8-beinige Pferd von Xwejni

Es ist passiert, wir haben eine neue Sehenswürdigkeit in Gozo. Im April 2026 wurde direkt an den Salt Pans in Xwejni eine riesige Skulptur platziert. Warum? Das weiss so richtig noch niemand, aber sie fällt auf. Sie ist laut. Sie ist anders. Sie stört auf den ersten Blick die Landschaft. Sie gehört hier nicht hin. Sie spaltet die Insel in zwei Meinungen. Und wird somit seinem Kunstcharakter zurecht. Denn genau so polarisierend ist echte Kunst.

Aber was sind die Hintergründe und was war die Idee dahinter? Warum steht plötzlich an den Salt Pans in Gozo eine Skulptur, die zwei ineinandergesteckte Pferde zeigt? Ohne Kopf. Mit acht Beinen.

Mit dem folgenden Beitrag möchte ich dich ermutigen, diese kuriose Skulptur bei deinem Besuch in Gozo unbedingt auf die Agenda zu setzen. Ich würde mich natürlich sehr über einen Kommentar unter dem Beitrag freuen. Was hältst du von der Skulptur? Ist sie eine Bereicherung oder eher eine Abschreckung? Let’s go…

WIEĦED Gozo | Fakten und Zahlen zum achtbeinigen Pferd

Wenn du schon auf Sightseeing-Tour in Gozo gehst, möchte ich dir natürlich auch ein paar Daten und Fakten zur Skulptur geben, denn aktuell ist sie nicht angeschrieben (Stand April 2026). Hier also die wichtigsten Eckdaten über die neue Sehenswürdigkeit auf Gozo:

  • Höhe: 570 cm
  • Material: Bronze, mit Verankerung aus rostfreiem Edelstahl (AISI 316L)
  • Besonderheit: acht Beine, kein Kopf, balanciert auf nur zwei Auflagepunkten
  • Standort: Ras ir-Reqqa bei Xwejni, an der Triq is-Sagħtrija, nahe den Salt Pans
  • Schutzstatus des Geländes: Natura-2000-Gebiet, ausserhalb der Bauzone
  • Auftraggeber: Ministerium für Gozo
  • Kosten: über 200’000 Euro aus öffentlichen Mitteln
  • Auswahl: eine von vier Arbeiten aus einem öffentlichen Kunstwettbewerb von 2021, beauftragt 2023, aufgestellt 2025

Sie heisst also WIEĦED, was auf Maltesisch „Eins“ bedeutet. Geschaffen hat sie der gozitanische Künstler Austin Camilleri. Auf Malta kennt man ihn schon länger. Er hat scheinbar auch dort ein kurioses Pferd namens Żieme in Valletta aufgestellt. Bei meinem nächsten Besuch in der Hauptstadt werde ich mal ein Bild davon schiessen.

Die Idee dahinter | Was der Künstler erzählen will

Der Künstler Austin Camilleri wurde 1972 in Victoria auf Gozo geboren. Ich habe erst jetzt von ihm gehört, aber er mag in der Kunstszene entsprechend einen Namen haben. Ich bin ja eher der Kunstbanause. 😄 Er hat aber unter anderen Ausstellungen in Venedig, im Vatikan und auch im UN-Gebäude in New York. Das ist für einen Gozitan schon eine gute Leistung.

Im Interview mit mehreren maltesischen Zeitungen verrät er ausführlich, was es mit der Skulptur in Xwejni aus sich hat. Acht Beine, kein Kopf, kein Reiter. Das ist erstmal verstörend. Wer klassische Reiterstandbilder aus europäischen Hauptstädten im Kopf hat, der sucht hier vergeblich nach Heldenpose, Sockel und Inschrift. Genau das sei der Punkt, sagt der Künstler.

Er versteht WIEĦED, die neue Sehenswürdigkeit auf Gozo als spielerische Auseinandersetzung mit der Tradition des Reiterdenkmals. Statt einen Feldherren in Bronze zu giessen, hat er die Form aufgebrauchen. Was wie ein Pferd aussieht, ist eigentlich keines. Es sind zwei halbe Pferde, ohne Kopf. =) Aber er wollte daraus eben „Eins“ schaffen. Eine Figur, die sich aus Mehrdeutigkeit zusammensetzt.

Warum in Xwejni und bei den Salt Pans?

Die Skulptur ist nicht zufällig an dieser Stelle gelandet. Camilleri hat die Form bewusst auf den Ort abgestimmt. Die Krümmung der Beine folgt der Linie der Küste, und die Skulptur reagiert auf die Billinghurst-Höhle, die direkt unter dem Klippenrand im Fels liegt. Wer die Skulptur sieht, sieht also auch ein Stück unsichtbare Geologie mit. Das ist subtil und erschliesst sich nicht auf den ersten Blick, aber es ist Teil des Konzepts. Mir hat sich das auch nicht auf den 17. Blick erschlossen. Aber ich bin gespannt, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt.

Die Bronze ist bewusst nicht versiegelt. Sie soll Patina ansetzen, sich von der salzigen Luft verändern lassen und mit den Jahren in die Felslandschaft hineinwachsen. Patina ist diese grünliche Schicht, die du von Kirchendächern her kennst. Camilleri vergleicht das mit den Küstentürmen Maltas, die irgendwann zum natürlichen Bestandteil der Klippen geworden sind. Ob das in zehn oder fünfzig Jahren tatsächlich so wirkt, wird sich zeigen.

Warum es Streit gibt | Drei Konfliktlinien

Ja, eine neue Sehenswürdigkeit auf Gozo wird nicht immer von allen gleich angekommen. Ich habe ein wenig recherchiert, da die Foren und Gruppen voll mit meist negativen Kommentaren sind. Was liegt dem eigentlich zu Grunde? Es sind in der Tat drei unterschiedliche Gründe:

  1. Naturschutz
    Der Standort liegt mitten in einem Natura-2000-Gebiet, also einem nach EU-Recht besonders geschützten Lebensraum. Sowohl die maltesische Umweltbehörde ERA als auch die Superintendence for Cultural Heritage sprachen sich gegen das Projekt aus. Die ERA bezeichnete den Vorschlag als „ausserhalb des Kontexts und unvereinbar mit der unberührten Küstenlandschaft“ und empfahl die Ablehnung. Die Planungsbehörde genehmigte das Vorhaben trotzdem. Auch BirdLife Malta hatte Einspruch erhoben und hält daran bis heute fest. Geschäftsführer Mark Sultana argumentiert, dass möglichst viele Flächen gänzlich frei von menschlichem Eingriff bleiben sollten, egal wie ästhetisch das Eingreifen daherkommt.
  2. Ästhetik
    Hier scheiden sich die Geister. Online lese ich Kommentare wie „Augenschmerz“ oder „ich erkenne weder Kopf noch Schwanz“. Die Umweltaktivistin Sasha Vella nannte die Skulptur einen „Eyesore“ und bekam dafür viel Zustimmung. Auf der anderen Seite verteidigt etwa der Künstler und ehemalige Manoel-Theatre-Direktor Kenneth Zammit Tabona die Arbeit. Sein Argument auf den Punkt gebracht: Kunst muss nicht „zum Vorhang passen“. Gerade dass die Skulptur irritiert, sei ein Wert an sich, weil sie Menschen zwinge, ihre Erwartungen an Kunst im öffentlichen Raum zu hinterfragen.
  3. Standortfrage
    Selbst wer mit Form und Material leben kann, stolpert oft über die Frage: Warum ausgerechnet hier? Xwejni gehört zu den unverbautesten Abschnitten der gozitanischen Küste. Salt Pans, Klippen, Wind, Stille. Camilleri begründet die Wahl pragmatisch. Der Ort sei strassennah, was Zugang ohne neue Wege oder Beleuchtung erlaube und damit minimalen Eingriff sichere. Kritiker entgegnen, genau diese Strassennähe mache aus einem stillen Naturraum ein Foto-Stopp-Ziel und verändere den Charakter des Ortes dauerhaft. Die Skulptur lässt sich abbauen, der Eindruck im kollektiven Bild des Ortes weniger leicht.

Drei Konfliktlinien, die sich nicht sauber trennen lassen. Wer halt die Skulptur ablehnt, tut es selten nur aus einem Grund.

Mein ehrlicher Eindruck vor Ort

Wie finde ich unsere neue Sehenswürdigkeit auf Gozo? Ich möchte genau auf die drei zuvorgenannten Punkte eingehen und meine Meinung dazu schreiben. Denn ich laufe vier bis fünf mal die Woche an dieser Skulptur vorbei und habe mitbekommen, wie sie eingesetzt wurde.

  1. Naturschutz
    Dazu kann ich ehrlich gesagt nicht viel sagen. Da möchte ich niemandem reinreden, da sich andere mit dem Thema deutlich besser auskennen. Mein Kritikpunkt an der Stelle sind die zusätzlichen Besucher, die sich hier tummeln werden. Es sind bisher keine Mülleimer dort aufgestellt. Das wird bedeuten, dass hier zusätzlich Müll anfallen wird. Auch wenn es nur ein kurzer Fotostopp ist.
  2. Ästhetik
    Ich finde die Skulptur ehrlich gesagt sehr irritierend. Es ist Kunst, daher darf hier jeder rein interpretieren, was er möchte. Aber zwei Pferde ohne Kopf, lieblos ineinandergesteckt, für 200’000 EUR? Hier hätte man sich mehr Mühe geben können. Vielleicht auch thematisch es mehr an Gozo anpassen können. Es gibt für mich wesentlich relevantere Symbole und Themen für Gozo, als kopflose Pferde. Ich könnte mir z.B. weiter vorne bei den Salt Pans eine grosse Skulptur vorstellen, die einen Mann zeigt, der über den Schultern einen Balken mit zwei Salzkesseln daran trägt.
  3. Standort
    Mit der Begründung des Künstlers finde ich die Standortfrage gar nicht so tragisch. Ja, auf den ersten Blick gibt es in Gozo deutlich bessere Plätze. Es gibt eine Kunstschule, wo solch ein Kunstwerk im Vorgarten wunderschön aussehen würde. Auch finde ich, dass das Material Bronze nicht zum Limestone passt, dem Sandstein, der die Gegend um die Salt Pans prägt. Das ist natürlich Geschmackssache. Es war zuvor ein natürlicher Spot, mit freiem Blick aufs Meer.

Schlussendlich ist es wie mit allem. Es ist Gewöhnungssache. Die Zeit wird zeigen, ob die Skulptur WIEĦED Gozo weiterhin als störend empfunden wird. Ich habe mich nach der ersten Woche bereits daran gewöhnt, auch wenn man sie wirklich schon von sehr weitem sehen kann. Wir sehen sie sogar von unserer Terrasse aus. Es gibt also kein Entkommen.

Anfahrt | So findest du WIEĦED Gozo

wiehed gozo anfahrt

Wenn du dir selbst ein Bild von der neue Sehenswürdigkeit auf Gozo machen möchtest, dann ist das easy. Die Skuptur steht frei zugänglich an der Küste, kostet keinen Eintritt und lässt sich prima in eine Wanderung entlang der Nordküste Gozos einbauen.

Anfahrt

Von Marsalforn aus fährst du etwa 5-10 Minuten nach Westen, entlang der Küstenstrasse. Der Weg führt Richtung Xwejni Bay weiter zu den Salt Pans. Von Victoria, der Hauptstadt auf Gozo aus benötigst du je nach Verkehr ca. 15 Minuten. Du kannst entweder über Marsalforn fahren oder über Zebbug. Ich empfehle dir die Strecke über Zebbug, da die Aussicht von dort oben super ist. Fahre einfach der Beschilderung „Salt Pans“ nach.

Parken

Park am besten direkt an der Triq is-Sagħtrija, der schmalen Küstenstrasse, die an den Salt Pans vorbeiführt. Es gibt dort keine markierten Parkplätze, aber genügend Parkmöglichkeiten auf dem Seitenstreifen. In der Hauptsaison kann hier viel los sein, da auch die Taucher dort unterwegs sind.

Wanderung

Wegen der Skulptur Wiehed Gozo lohnt sich eine Anfahrt nur bedingt. Viel schöner ist es, wenn du eine Wanderung entlang der Küste planst. Du kannst z.B. vom Wied il-Ghasri oder sogar vom Wied il-Mielaħ aus los laufen. Dann Richtung Osten, die Küstenstrasse entlang und du kommst automatisch an der Skulptur vorbei. Die Wanderung kannst du auch bequem und vor allem mit öffentlichem Verkehr in Marsalforn starten. Von dort aus sind es ca. 4 km zu laufen bis zur Skulptur.

Beste Tageszeit für den Besuch von Wiehed Gozo

Das Licht steht am späten Nachmittag oder zum Sonnenuntergang am besten. Mittags ist es zudem im Sommer sehr heiss. Es gibt keinen Schatten dort, ausserdem direkt unter den kopflosen Pferden. 😉 Früh am morgens ist sicher am wenigsten los dort. Und es besteht die Chance, dass wir uns dort über den Weg laufen. Ich würde entweder ganz früh morgens, zwischen 8 und 9 oder zum Sonnenuntergang vorbeischauen.

Fazit | Lohnt sich ein Abstecher?

Lohnt es sich wirklich die neue Sehenswürdigkeit auf Gozo zu besuchen? Ein klares JA, auch wenn ich im Abschnitt oben eher kritisch dem Ganzen gegenüber stehe. Dennoch finde ich, ein Stopp dort lohnt sich, vor allem dann, wenn du auch die Salt Pans und Xwejni Bay besuchst.

Ich bin sehr gespannt, wie sich und vor allem ob sich die Skulptur WIEĦED Gozo in die Landschaft wirklich integriert. Auch verfolge ich die Kommentare in den einzelnen Gruppen weiterhin, da mich das Thema als Reiseblogger interessiert.

Lass mir doch mal einen Kommentar unten da, wie du das Thema siehst. Hast du die neue Sehenswürdigkeit auf Gozo schon besucht? Wie gefällt sie dir?

FAQ | Häufig gestellte Fragen über die neue Sehenswürdigkeit auf Gozo

Wo steht die neue Pferdeskulptur auf Gozo?

Die Skulptur steht an den Klippen von Ras ir-Reqqa bei Xwejni, an der Triq is-Sagħtrija nahe den bekannten Salzpfannen. Der Standort liegt nordöstlich von Marsalforn und ist über die Küstenstrasse gut mit dem Auto erreichbar.

Wer ist der Künstler?

Geschaffen hat sie Austin Camilleri, ein 1972 in Victoria geborener gozitanischer Künstler. Er ist international ausgestellt, unter anderem auf der Biennale in Venedig und im Vatikanischen Museum. Bekannt ist er auf Malta auch für sein dreibeiniges Pferd Żieme in Valletta von 2014.

Wie hoch ist die Skulptur?

WIEĦED ist 570 cm hoch, also rund 5.70 Meter. Sie besteht aus Bronze und balanciert auf nur zwei Auflagepunkten, verankert mit rostfreiem Edelstahl im Felsen.

Was bedeutet WIEĦED?

WIEĦED ist maltesisch und bedeutet „eins“. Der Name spielt darauf an, dass die Skulptur kein einzelnes Pferd zeigt, sondern zwei Tiere, die durch Sampling und Rekombination zu einer Figur verschmolzen wurden.

Kann man sie kostenlos besichtigen?

Ja, der Besuch ist kostenlos und jederzeit möglich. Die Skulptur steht frei zugänglich an der Küste, ohne Eintritt, ohne Öffnungszeiten und ohne Absperrung. Achte auf festes Schuhwerk und genug Abstand zum Klippenrand.

Galerie | WIEĦED Gozo

Hier findest du ein paar Impressionen und Bilder der Skulptur Wiehed Gozo.

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